III.1. Durchgängige fachbezogene Diagnostik in der Grundschulbildung

III.1. Durchgängige fachbezogene Diagnostik in der Grundschulbildung

Eine zentrale Herausforderung für Grundschullehrkräfte im Deutschunterricht stellt die Bestimmung fachbezogener individueller Lernausgangslagen (ILAL) von Schüler*innen dar. Hierzu werden deutlich mehr ergebnis- als (mikro)prozessorientierte Diagnoseverfahren eingesetzt. Es fehlt an Ansätzen, die offen sind für die Beobachtung und Rekonstruktion von Lerner*innenperspektiven (Brügelmann 2012/ Linnemann 2017).
Es ist Ziel des Projektes „Durchgängige fachbezogene Diagnostik in der Grundschulbildung“ Studierenden zu ermöglichen, fachliches und fachdidaktisches Wissen zu nutzen, um auf der Basis von Beobachtungen Lerner*innenperspektiven zu rekonstruieren und ILAL zu formulieren.

Eine Maßnahme des Teilprojektes besteht in der Entwicklung und Durchführung eines Seminarkonzepts, das in einem diagnostischen Dreischritt angelegt ist: Die Studierenden (1) erarbeiten den Anspruch von Aufgaben aus fachlicher Sicht, (2) analysieren aufgabenbezogene Beobachtungsprotokolle (de Boer u.a. 2015), die sich auf Bearbeitungsprozesse einzelner Schüler*innen beziehen und (3) entwickeln geeignete Anschlussaufgaben. Auf diese Weise werden Studierende für die Perspektiven der Lernenden sensibilisiert und erhalten zugleich Hinweise auf die Passung von Vermittlungsangeboten und individuellen Aneignungsweisen (ebd./ Dehn & Hüttis-Graff 2013). Dies erfordert ein fundiertes linguistisches Wissen, das ebenfalls im Seminar vermittelt wird.

Das Projekt verfolgt folgende Forschungsfragen: (Inwiefern) nutzen Studierende ihr fachliches und fachdidaktisches Wissen, wenn sie

1) die fachlichen Anforderungen von Aufgaben bestimmen?

2) Lerner*innenperspektiven rekonstruieren, um ILAL zu formulieren?

3) begründet Anschlussaufgaben auswählen?

Als Datengrundlage dienen die studentischen Analysen einer als Fallbeispiel vorgegebenen, protokollierten Lernsituation. Die Argumentationslinien der Studierenden (N=50) werden rekonstruiert und qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet (Kuckartz 2016).
Im Sinne einer Durchgängigkeit schließt das Konzept an einem Bachelormodul der Grundschulpädagogik zum Thema „Lernen beobachten – Beobachten lernen“ an, welches alle Studierende mit unterschiedlicher fachdidaktischer Ausrichtung besucht haben.
In einer zweiten Teilprojektmaßnahme werden die erhobenen Fallbeispiele (Videoaufnahmen, Audioaufnahmen, Schülerdokumente, Transkripte) für die Lehrenden des Mastermoduls Deutschdidaktik aufbereitet, sodass diese unter diagnostischer Perspektive in verschiedenen Seminaren eingesetzt werden können.

 

Literatur

Brügelmann, H. (2012). Beobachtung im Schriftspracherwerb. Aufgaben zur Beobachtung und Förderung – am Beispiel des Schriftspracherwerbs. In: de Boer, H./ Reh, S. (Hg.): Beobachtung in der Schule – beobachten lernen. Wiesbaden: Springer, 247-260.
de Boer, H. et al. (2015). Lernprozessbeobachtung in der Lehrerbildung – Fachdidaktische Perspektiven & Herausforderungen. In: Liebers, K. et al. (Hg.): Lernprozessbegleitung und adaptive Lerngelegenheiten im Unterricht der Grundschule. Wiesbaden: Springer, 237-252.
Dehn, M. (2013; mit Beiträgen von Petra Hüttis-Graff). Zeit für die Schrift. Lesen und Schreiben im Anfangsunterricht. Berlin: Cornelsen.
Kuckartz, U. (2016). Qualitative Inhaltsanalyse. Weinheim: Beltz. 3. Aufl.
Linnemann, M. (2017). Sprachdiagnostik im Unterricht. Grundlagen, Zugänge und Beispiele. In H. Günther, G. Kniffka, G. Knoop, G. & T. Riecke-Baulecke (Hrsg.), Basiswissen Lehrerbildung: DaZ unterrichten. Seelze: Friedrich.

 

AnsprechpartnerInnen
 

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Prof. Dr. Daniela Merklinger

daniela.merklinger@ph-ludwigsburg.de

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Sandra Last

sandra.last@ph-ludwigsburg.de

Dieses Teilprojekt wird in der zweiten Projektphase fortgeführt. Nähere Informationen zur Arbeit des Teilprojekts in der zweiten Förderphase finden Sie hier.